Letzte Woche erhalte ich von unserem Jahrgangsleiter folgende Mail:
Von: XXXX
Betreff: 1. Vollversammlung des 12. Jahrgangs
Datum: 26. Oktober 2010 18:39:07 MESZ
An: sämtliche Mailadressen aus dem 12. Jahrgang (4 Klassen, über 100 Schüler)
Liebe Schülerinnen und Schüler des 12. Jahrgangs,
hiermit lade ich Euch zur 1. Vollversammlung des Jahrgangs 12 ein.
Die TEILNAHME IST VERBINDLICH. Die Versammlung findet am Montag, 01.11.2010 in der 9. und 10. Stunde im Forum der Handelslehranstalt statt, also während des Praxis-/BRC-Unterrichts.
Da mir immer noch einige E-Mail Adressen aus der 12B fehlen, bitte ich die Mitschüler um Kommunikation der Veranstaltung in der Klasse. Diese Aufgabe könnte beispielsweise der Klassensprecher oder die Klassensprecherin übernehmen.
Viele Grüße und bis Montag
XXXXX
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Na toll. Ich find’s ja schön, dass die Schule endlich anfängt auf digitalem Weg zu kommunizieren. Spart immerhin ne Menge Papier. Aber ist es denn nötig offen an alle Mailadressen aller Schüler zu schreiben? Da besteht Nachholbedarf in Sachen Medienkompetenz! Ich schreibe also ein paar Zeilen zurück und weise den Lehrer höflich auf seinen Fehler hin:
Von: “Jörgen Sagawe” <jsagawe@gmx.de>
Gesendet: 26.10.2010 20:02:49
An: XXXX
Betreff: Re: 1. Vollversammlung des 12. Jahrgangs
Sehr geehrter Herr XXXX,
vielen Dank für die Einladung. Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass in der Mail sämtliche Mailadressen aller Schüler des 12. Jahrgangs einzusehen sind. Aus Gründen der Datenhygiene möchte ich Sie bitten, zukünftig beim Massenversand die Mailadressen in “BCC” also Blindkopie einzutragen. So werden die Mailadressen nicht allen Empfängern zugänglich gemacht. Dies beugt Adressenmissbrauch und Spam vor.
Vielen Dank und freundliche Grüße
Jörgen Sagawe
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Darüber, ob es nach Knigge korrekt ist, den Lehrer zu belehren, machte ich mir keine Gedanken. Der Lehrer kennt mich nicht, ich hatte noch nie Unterricht bei ihm und das bleibt wahrscheinlich auch so. Wenige Minuten später erhielt ich zu meiner Überraschung eine freundliche Antwort:
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Von: XXXXXX
Betreff: Re: 1. Vollversammlung des 12. Jahrgangs
Datum: 26. Oktober 2010 20:21:35 MESZ
An: Jörgen Sagawe <jsagawe@gmx.de>
Hallo Jörgen,
danke für den Hinweis. Ich kenne die Problematik und habe etwas vorschnell gehandelt und einfach bei meinem Mailaccount zu schnell auf senden gedrückt. Sorry, wird nicht wieder vorkommen, denn Du hast mit Deiner Kritik vollkommen recht.
Gruß XXXXX
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Er zeigte sich also schuldbewusst und versprach Besserung. Damit war für mich die Sache gegessen.
Falsch gedacht! Auf der angekündigten
Veranstaltung begrüßte er uns mit den Worten “Als Erstes muss ich mich bei euch entschuldigen. Ich habe eure Mailadressen offen versendet und darauf eine bitterböse Mail erhalten. Das wird in Zukunft nicht mehr vorkommen.”
“Gut, dass der mich nicht kennt!”, dachte ich mir. Denn er schien die Kritik doch irgendwie persönlich genommen zu haben.
Heute klopft es in Betriebswirtschaft an der Tür. Der besagte Lehrer kommt herein und bittet 4 Schüler heraus, darunter mich. Er brauche Paten, die Hospitanten von der Realschule nächste Woche etwas in der Schule herumführen können. Auf meine Nachfrage, wie er auf uns kommt, antwortet er nur: “Naja diese drei kenne ich schon gut und du scheinst mir mit deiner großen Klappe auch gut geeignet zu sein.”
Das hab’ ich jetzt davon. Um solche Erfahrungen machen zu dürfen, gehe ich auf die Schule. Vielleicht bewahrt mich diese Erinnerung eines Tages im Berufsleben vor ähnlichen Fehlern.